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Gleichstellung verändert nicht nur Chancen für Frauen – sie verändert auch die Rolle von Männern. Für Männer ist es auch heute nicht selbstverständlich, für Familienaufgaben beruflich kürzerzutreten. Doch wie war das früher für die späten Boomer – als die Erwartungen an Männer noch klarer schienen? Und was hat sich aus ihrer Sicht seitdem verändert?
Darüber sprechen heute Christian und Ulf, beide Jahrgang 1961. Sie haben Familie, Beruf und Verantwortung anders gelebt, als es erwartet wurde. Beide arbeiteten nach dem Studium viele Jahre in Teilzeit und haben sich gleichberechtigt um Familie und Haushalt gekümmert.
Christian: Ulf, denkst du manchmal daran zurück, wie ungewöhnlich manche unserer Entscheidungen damals waren?
Ulf: Ja, durchaus. Wer damals andere Prioritäten gesetzt hat, musste das oft erklären. Ich frage mich schon: Haben wir damals etwas Besonderes gemacht – oder nur etwas, das selbstverständlich hätte sein sollen?
Christian: Für uns selbst war es nichts Besonderes. Für mich war es keine Entscheidung gegen etwas – sondern für etwas. Trotzdem hatte ich oft das Gefühl, dass andere das anders wahrgenommen haben. Ich kann mich noch gut an den Satz eines Kollegen erinnern: „Der Herr Bylda ist doch ein ganzer Kerl, warum hat er eigentlich keine ganze Stelle?“ Wie hat denn dein Umfeld reagiert?
Ulf: Eigentlich meist positiv – aber auch überrascht. Und es gab schon auch die Einstellung: Wer beruflich für die Familie kürzertritt, nimmt seine Karriere vielleicht nicht ernst genug.
Christian: Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Gleichzeitig habe ich mich gefragt: Warum wird Verantwortung im Privaten als Gegensatz zu Verantwortung im Beruf gesehen? Vielleicht war genau das schon damals die eigentliche Frage: Was wird von Männern erwartet und wer entscheidet das eigentlich.
Ulf: Im Rückblick frage ich mich – was war schwieriger: die Entscheidung selbst oder die Reaktionen darauf?
Christian: Die Reaktionen. Entscheidungen trifft man für sich. Aber Strukturen, Erwartungen und Bilder im Kopf verändern sich langsamer.
Ulf: Die Entscheidung empfand ich nicht wirklich als schwierig – sondern das Gefühl, sich erklären zu müssen. Ob das heute auch so ist? Was hat sich aus deiner Sicht verändert?
Christian: Ich erlebe mehr Offenheit. Männer sprechen selbstverständlicher über Familie oder unterschiedliche Lebensmodelle und übernehmen öfter Familienverantwortung. Gleichzeitig ist vieles noch nicht normal geworden.
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